Schlechtes Wetter, steile Rampen, klarer Kopf
Der Wecker klingelt, der Blick aus dem Fenster zeigt eins: Grau in Grau, tief hängende Wolken, und die Motivation macht erst mal kollektiv Urlaub. Die Liste an Ausreden im Kopf ist lang. Es ist feucht, es ist kalt, das Bettchen ist noch warm. Doch genau an solchen Tagen weiß man am Ende, warum man es trotzdem getan hat. Also rein in die Klamotten, das Rad geschnappt und ab auf die Piste. Heute stand mal wieder der Klassiker an, hoch zur Käste, vorbei an Oker und rein in die steilen Rampen.
Der Kampf mit den ersten Metern
Steigung und Trittfrequenz
Wer die Steigungen Richtung Käste kennt, weiß, dass man hier keine Geschenke bekommt. Auf den ersten Kilometern brennen die Oberschenkel, und jeder Meter fühlt sich zäh an. Doch das Schöne an solchen Touren, der Körper wacht auf. Nach einer Weile schaltet der Kopf um, der Rhythmus greift.
Besonders im steilen Anstieg merkt man den feinen Unterschied im Antritt. Wenn man den Berg nicht nur über den reinen Druck auf dem Flatpedal hochdrückt, sondern aktiv mit Zug arbeitet, läuft der Tritt gleich viel runder. Mit jedem Höhenmeter, den man sich hochkämpft, schwinden die Zweifel, und die Endorphine übernehmen.


Strecke
⇢ 20 km
⇡ 473 m
Typ
Befestigt 1 km
Unbefestigt 19 km
Fahrbar für
eMTB, Gravel, MTB


Oben angekommen
Wetter kaputt, Puls im grünen Bereich
Die Alten haben früher schon immer gesagt, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung – oder eben eine Aussicht mit Charakter.
Oben auf dem Plateau bot sich ein zweigeteiltes Bild: Die eine Seite tief in dicke Wolken gehüllt, während es Richtung Norden ein Stück weit aufklarte und etwas Licht durchschimmerte. Keine Postkarten-Panorama-Sonne, aber genau das hat diesen rauen, ungeschönten Harz-Charme.
Kurzer Check – Kalorien verbrannt, Trainingsreiz gesetzt, Kopf freigepustet. Auf dem Plateau hieß es dann Meter machen, ein bisschen entspannt in die Kurven legen, Tempo aufnehmen und das Bike rollen lassen, bevor es in die Abfahrt geht.
Hau den Hobel die Abfahrt runter
Konzentration ist Pflicht
Der Wechsel vom Fully-Mountainbike auf das Gravel-Bike zeigt sich spätestens dann, wenn der Weg nach unten führt. Bremswege, Linienwahl, das Anbremsen vor der Kurve – mit dem Dropbar-Lenker und den dünneren Reifen ist man einfach ganz anders gefordert. Da verzeiht das Rad weniger Fehler. Unbekannte Highspeed-Strecken im Blindflug überlassen wir lieber anderen; hier zahlt sich Streckenkenntnis aus.
Unten raus habe ich mir dann natürlich nicht nehmen lassen, die eine oder andere kleine Singletrail-Passage einzubauen. Klar, ein Gravel-Bike ist kein Enduro, aber genau das macht den Reiz aus, auszuloten, was geht, das Trail-Feeling mitzunehmen und die Grenzen von Mensch und Material geschickt zu kombinieren.


Fazit
Die besten Touren sind oft die, bei denen man sich den Weg erst erkämpfen muss. Am Ende bleiben müde Beine, ein sauberes Rad und das verlässliche Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.
Die Tour
Wenn Du die Tour nachfahren willst, schmeiß‘ gern ein paar Münzen in die FichtenAffe Kaffeekasse.
